Digitale Unterstützung in der Instandhaltung: Mitarbeitende der Wisag Produktionsservice GmbH bei der sicherheitstechnischen Kontrolle – vernetzt, dokumentiert und praxisnah vor Ort. Bild: Wisag

Instandhaltung & Sicherheitsmanagement – Sicherheit bleibt eine Führungsaufgabe

Best Practices aus Sicherheitsmanagement und Arbeitsschutz im Kontext rechtlicher Anforderungen zeigen Wege zu sichereren Betrieben. Insights aus der Praxis bei Schaeffler und Wisag unterstreichen, wie Unternehmen Sicherheit strategisch verankern.

Im DEKRA-Arbeitssicherheitsreport 2025 wird Instandhaltung als zentraler Baustein der Resilienz kritischer Infrastrukturen verstanden. Defizite in Sicherheitsmanagement und Instandhaltung können systemische Risiken für Versorgung und Gesellschaft auslösen. Effektives Sicherheitsmanagement muss deshalb Teil der Sicherheitsstrategie sein und verkettete Anlagenprozesse ganzheitlich betrachten. Studien zeigen zudem, dass Instandhaltung nicht nur Verfügbarkeit, sondern auch Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit bestimmt. Reaktive Wartung und fehlende Dokumentation erhöhen Unfallrisiken und Stillstände. Im Bereich der Energieversorgung verbindet sich Wartung mit Sicherheitsmanagement: Energieanlagen werden komplexer, erfahrenes Personal ist knapp, und höherer Dokumentations‑ und Qualifizierungsdruck fordert vernetzte Lösungen. Diese übergreifenden Themen bilden den Hintergrund, vor dem Best Practices und Innovationen für die Betriebssicherheit heute relevant sind.

Schaeffler: Integrierte Sicherheitskonzepte für hochautomatisierte Umgebungen

Schaeffler, weltweit aktiv in der Entwicklung und Produktion von Wälzlagern, Linearsystemen und mechatronischen Produkten, hat Sicherheit als integralen Bestandteil seiner Instandhaltungs‑ und Produktionsprozesse verankert. Ein Unternehmenssprecher hebt hervor, dass „die zunehmende Automatisierung in der Produktion die Komplexität von Maschinen und Anlagen erheblich erhöht“ und damit neue Herausforderungen für das Sicherheitsmanagement schafft. Es sei entscheidend, „integrierte Sicherheitskonzepte, die technische Schutzmaßnahmen, digitale Monitoring‑Tools und die verstärkte aktive Beteiligung der Mitarbeitenden miteinander verknüpfen“.

Zur Identifizierung und Reduktion von Risiken setzt Schaeffler auf systematische Gefährdungsbeurteilungen und praxisnahe Unterweisungen. Ein Unternehmenssprecher betont: „Ein effektives Sicherheitsmanagement basiert auf systematischen Gefährdungsbeurteilungen vor Arbeitsbeginn sowie regelmäßigen praxisnahen Sicherheitsunterweisungen, die das Bewusstsein für potenzielle Gefahren schärfen.“ Technische Schutzmaßnahmen seien wichtig, doch der Erfolg hänge von „der Akzeptanz und dem verantwortungsvollen Umgang der Instandhaltenden“ ab.

Organisatorisch und kulturell geht Schaeffler weit über die Mindestanforderungen hinaus. Die Safety ONE‑Initiative etabliere eine Sicherheitskultur, die „auf einem gemeinsamen Sicherheitsverständnis beruht“. Führungskräfte fungierten „als Vorbilder bei der Einhaltung sicherheitsrelevanter Vorgaben“ und schafften ein Umfeld, das gemeinsames Verantwortungs‑ und Sicherheitsbewusstsein fördert. Audits, Auswertungen und Konsequenzen bei Verstößen unterstreichen den Stellenwert sicherheitsrelevanter Prozesse.

Mit Blick auf die Zukunft erwartet Schaeffler, dass „die Automatisierung weiter zunimmt, was die Komplexität von Maschinen stark erhöht und neue Risikofelder mit sich bringt“. Dazu gehörten „komplexe Softwaresteuerungen, vernetzte Systeme und Mensch‑Maschine‑Interaktionen“. Unternehmen sollten daher „technische, organisatorische und digitale Maßnahmen integrieren und ihre Mitarbeitenden kontinuierlich qualifizieren“.

Schaeffler auf der maintenance 2026

In Dortmund präsentiert Schaeffler (Stand 520) sein Industrial Lifetime Solutions Portfolio mit einem umfassenden Angebot an Produkten, Services und Lösungen rund um Zustandsüberwachung, Montage und Schmierung. Das Highlight ist die Premiere des neuen FAG OPTIME E‑CM: Damit erweitert Schaeffler sein OPTIME Ecosystem um eine elektrische Zustandsüberwachung – zusätzlich zur webbasierten Überwachung und Schmierungsüberwachung. Zudem können Besucher am Schaeffler‑Stand täglich mehrfach Live‑Montagen mit thermischen Anwärmgeräten mitverfolgen.

Das OPTIME Ecosystem von Schaeffler vernetzt smarte Sensorik, automatisierte Schmierung und digitale Zustandsüberwachung für eine vorausschauende Instandhaltung – per App, Desktop und IoT-Hardware intelligent steuerbar. Bild: Schaeffler

Wisag: Sicherheitsmanagement im komplexen Umfeld vernetzter Systeme

Die Wisag Produktionsservice GmbH (maintenance 2026, Stand 7412) begleitet Unternehmen bei sicherheitsrelevanten Prüfungen und Instandhaltungsprozessen. Dr.‑Ing. Roland Ruppel, Produktmanager Instandhaltung, betont, dass „mit steigender Systemkomplexität produzierender Maschinen und Anlagen auch die interdisziplinären Anforderungen an das Sicherheitsmanagement wachsen“. Mechatronische Systeme, Cloud‑Anbindungen und KI‑gestützte Komponenten erforderten flexible, ganzheitliche Sicherheitslösungen, die statische Konzepte übersteigen.

Hinsichtlich rechtlicher Anforderungen weist Ruppel auf die Herausforderungen nationaler und europäischer Regelwerke hin. Neue Verordnungen wie CRA (EU) 2024/2847, NIS2 (EU) 2024/2555 oder die neue Maschinenverordnung 2023/1230 erforderten strategisches Vorgehen: „Diese Komplexität ist nur durch kooperative, partnerschaftliche Netzwerke spezialisierter Unternehmen beherrschbar.“ Wisag unterstützt dabei durch Outsourcing sicherheitsrelevanter Prüfungen und Konzepte, damit Unternehmen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können.

Für die praktische Risikobeurteilung hält Ruppel „die gemeinsame Begehung von Anlagen und Maschinen durch Sicherheitsfachkraft (Sifa), Betriebsarzt und Betreiber“ für unverzichtbar. Ergänzend diene ein Life‑Cycle‑Check‑Up als Datengrundlage für funktionierendes Obsoleszenzmanagement. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse flössen in „angepasste Gefährdungsbeurteilungen, Sicherheitsunterweisungen und Schutzmaßnahmen“ ein.

Zur Digitalisierung betont er, dass „Sensorik, Big Data und KI in klar definierten Anwendungsfällen sinnvoll“ seien; Digitalisierung müsse aber „vorhandenes Wissen gezielt sichern, verfügbar und skalierbar machen“. Simulationen dürften kein falsches Verständnis suggerieren.

Für die dauerhafte Verankerung sicherheitsrelevanter Prozesse sieht Ruppel die Disziplin als zentral: „Verstandene und gelebte Arbeitssicherheit ist wirksamer als zusätzliche Verbote.“ In einer Zeit umfangreicher Dokumentation müsse „der Fokus wieder stärker auf das Ziel der Sicherheitsmaßnahmen und deren praktische Umsetzung gelegt werden“.

Mit Blick auf die Zukunft wird deutlich, dass Wissensmanagement und stabile Energieversorgung zusammengehören. Ruppel sagt, dass „Erfahrungswissen elektronisch gesichert und skaliert werden müsse“ und zugleich „der Wissenstransfer aktiv gefördert und durch kontinuierliche Weiterbildung begleitet werden“ müsse.

Dr.-Ing. Roland Ruppel: „Das zentrale Stichwort lautet Disziplin. Statt immer neuer Vorschriften muss die konsequente Einhaltung bestehender Sicherheitsziele gestärkt werden – eine klare Führungsaufgabe. Verstandene und gelebte Arbeitssicherheit ist wirksamer als zusätzliche Verbote. In Zeiten umfangreicher Dokumentation sollte der Fokus wieder stärker auf das Ziel der Sicherheitsmaßnahmen und deren praktische Umsetzung gelegt werden.“ Bild: Wisag

Warum Sicherheit zur strategischen Kernaufgabe im Maschinenbau wird

Reaktive Instandhaltung, Fachkräftemangel und steigende Sicherheitsanforderungen setzen den Maschinenbau unter Druck. Studien wie der Instandhaltungsreport 2025 zeigen: Ungeplante Wartung und fehlende Dokumentation erhöhen das Unfallrisiko deutlich. Gleichzeitig geht mit dem Ausscheiden erfahrener Fachkräfte wertvolles Wissen verloren. Ohne systematische Prozesse verpufft das Potenzial digitaler Lösungen. Der DEKRA-Arbeitssicherheitsreport 2025 zeigt: Eine gelebte Sicherheitskultur entsteht dort, wo Führung, Prozesse und Instandhaltung zusammenspielen. Besonders in hochautomatisierten Umgebungen muss Sicherheit in die strategische Steuerung der Instandhaltung integriert werden – mit qualifiziertem Personal, klaren Zuständigkeiten und datenbasierten Entscheidungen. Sicherheitsmanagement wird so zur Führungsaufgabe, die Wirtschaftlichkeit und Schutz verbindet.

Quellen: remberg: Instandhaltungsreport 2025; osapiens/Fraunhofer IML: Instandhaltung im Wandel; CONTACT/Fraunhofer IPK: Industrieumfrage 2025.

Sicherheit als verbindlicher Standard

Sicherheitsmanagement und rechtliche Anforderungen sind heute untrennbar. Unternehmen müssen technische, organisatorische und kulturelle Aspekte verknüpfen, um Betriebssicherheit nachhaltig zu gewährleisten. Best Practices wie systematische Gefährdungsbeurteilungen, partizipative Sicherheitskultur und digital unterstützte Monitoring‑Tools sind zentrale Bausteine. Zugleich verlangt die Rechtslage nach strategischem Management und Kooperation. Sicherheit bleibt eine Führungsaufgabe, die weit über Compliance hinausgeht.