Predictive Maintenance & Service-Strategie im Maschinenbau
Wie sich Service von der Pflicht zur Kür entwickelt: Predictive Maintenance und Lifetime-Support verändern Wertschöpfung, Wettbewerbsfähigkeit und Geschäftsmodelle in der Instandhaltung grundlegend.
Service im Umbruch: Von reaktiv zu wertschöpfend
Ungeplante Stillstände, steigender Kostendruck und immer komplexere Produktionsanlagen zwingen Industrieunternehmen zum Umdenken. Instandhaltung entwickelt sich vom reinen Kostenfaktor zum strategischen Hebel. Predictive Maintenance und Lifetime-Support markieren dabei den Übergang in eine servicegetriebene Industrie, in der Verfügbarkeit, Datenkompetenz und langfristige Partnerschaften über den Markterfolg entscheiden.
Digitale Instandhaltung als Fundament für neue Service-Modelle
CCC Software mit Sitz in Deutschland zählt zu den etablierten Anbietern von Instandhaltungssoftware und adressiert insbesondere produzierende Unternehmen mit komplexen Anlagenstrukturen. Im Fokus stehen digitale Workflows, Condition Monitoring und Transparenz über den gesamten Lebenszyklus von Assets.
Predictive Maintenance versteht CCC Software aktuell nicht als vollständig automatisiertes Vorhersagemodell, sondern als datengetriebene Weiterentwicklung bestehender Instandhaltungsprozesse. „Aktuell bieten wir kein Predictive Maintenance im klassischen Sinne an. Die Auswertungen aus dem Condition-Monitoring-Modul können jedoch genutzt werden, um relevante Daten zu erfassen und darauf aufbauend ein eigenes Predictive-Maintenance-Konzept umzusetzen“, erklärt Max Feigl, Key Account Manager Instandhaltung bei CCC Software.
Max Feigl, Key Account Manager Instandhaltung, CCC Software: „Wir sind überzeugt, dass der Bereich Instandhaltung lange Zeit von der Digitalisierung vernachlässigt wurde. Da immer mehr Unternehmen ihre gesamte Wertschöpfungskette optimieren, rückt auch die Instandhaltung zunehmend in den Fokus. Eine verbesserte Instandhaltung führt zu einer optimierten Produktion und damit klar zu einem nachhaltigen Marktvorteil.“ Bild: CCC Software
Schrittweise Transformation statt radikaler Umbruch
Der Ansatz setzt bewusst auf Flexibilität. Kunden können mit jedem Digitalisierungsgrad starten und schrittweise Daten, Prozesse und Organisation weiterentwickeln. Konkrete, öffentlich belastbare Fallstudien existieren derzeit noch nicht. „Das können wir derzeit noch nicht konkret abbilden. Perspektivisch könnten wir das Thema jedoch gemeinsam mit Partnern angehen, um eine belastbare und nachvollziehbare Story zu entwickeln“, so Feigl.
Trotzdem zeigt sich der Einfluss auf die Wertschöpfungskette bereits heute deutlich. Durch digitale Instandhaltung lassen sich Ressourcen gezielter einsetzen und Engpässe reduzieren. „Durch die Einführung der Software können langfristig Instandhaltungskapazitäten in andere Bereiche der Wertschöpfungskette verlagert werden, da Prozesse insgesamt effizienter ablaufen“, betont Feigl. Der größte Hebel liegt aus seiner Sicht im wirtschaftlicheren Handeln.
Als kritischen Erfolgsfaktor nennt CCC Software den Change-Prozess. „Ohne Akzeptanz der Software durch die Anwender kann kein effizientes Arbeiten gelingen.“ Hemmnisse entstehen vor allem beim Abschied von analogen Prozessen. Langfristig sieht CCC Software jedoch enormes Potenzial: „Eine verbesserte Instandhaltung führt zu einer optimierten Produktion und damit klar zu einem nachhaltigen Marktvorteil.“
maintenance 2026 – Leitmesse für industrielle Instandhaltung
Die maintenance 2026 findet am 25. und 26. Februar 2026 in der Messe Dortmund statt und gilt als Europas führende Plattform für industrielle Instandhaltung. Im Fokus stehen digitale Services, Predictive Maintenance, KI, Ersatzteilmanagement und neue Service-Geschäftsmodelle – Themen, die die Zukunft der Wertschöpfungskette neu definieren.
Aussteller wie CCC Software (Stand 7515) und Fieldcode (Stand 827) demonstrieren innovative Ansätze zur strategischen Nutzung von Instandhaltungsdaten und zeigen, wie moderne Softwarelösungen Effizienz, Verfügbarkeit und Planbarkeit in Produktion und Service drastisch verbessern – von vorausschauender Wartung bis zu datengetriebenen Geschäftsmodellen. Fachvorträge, Best-Practice-Insights und Networking runden das Programm ab und machen die maintenance zu einem Pflichttermin für Entscheider und Innovatoren in der Instandhaltungswelt.
Matthias Lübko, CEO Fieldcode: “Auf organisatorischer Ebene müssen Serviceprozesse klar definiert sein, damit sie dort automatisiert unterstützt werden können, wo es sinnvoll ist, und gleichzeitig Raum für teilautomatisierte oder manuelle Entscheidungen in komplexen Ausnahmefällen bleibt.“ Bild: Fieldcode
Vom prädiktiven Signal zum autonomen Serviceprozess
Fieldcode ist ein international tätiger Anbieter von Field-Service-Management-Software mit Fokus auf Automatisierung und KI-gestützte Einsatzplanung. Das Unternehmen positioniert sich klar auf der Ausführungsebene von Predictive Maintenance und Lifetime-Support. „Bei Fieldcode verstehen wir Predictive Maintenance als die Fähigkeit, frühe Signale aus Maschinen und Geräten in konkrete Serviceaktionen zu übersetzen, bevor ein Ausfall die Produktion beeinträchtigt“, sagt Matthias Lübko, CEO von Fieldcode. Entscheidend sei nicht die Prognose allein, sondern die automatische Umsetzung. Lifetime-Support beschreibt dabei den ganzheitlichen Ansatz über Installation, Betrieb, Upgrades und Austausch hinweg.
Datenbasierte Einsatz- und Kapazitätsplanung: Die Analytics-Ansicht von Fieldcode visualisiert Forecasts, Produktivität und Ressourcenbedarf in Echtzeit und ermöglicht eine präzise Steuerung von Service-Teams entlang der gesamten Wertschöpfung. Bild: Fieldcode
Messbare Effekte auf Verfügbarkeit und First-Time-Fix-Rate
Ein europäischer Hersteller von Industrieanlagen, der mehrere tausend Maschinen in Produktionsstätten betreut, zeigt die Wirkung dieses Modells. Nach der Integration von Zustands- und Servicedaten konnten Serviceeinsätze früher und automatisiert geplant werden. Das Ergebnis war eine Reduktion ungeplanter Ausfallzeiten um rund 30 Prozent sowie eine Steigerung der First-Time-Fix-Rate um etwa 20 Prozent. Zusätzlich sanken die Servicekosten durch weniger Notfalleinsätze deutlich.
Die Wertschöpfung verschiebt sich damit grundlegend. „Die Wertschöpfung verschiebt sich von der Behebung von Störungen hin zum aktiven Management der Anlagenperformance“, erläutert Lübko. Für Anbieter entstehen planbare, skalierbare Erlösmodelle, für Kunden höhere Verfügbarkeit und bessere Planbarkeit. Risiken sieht Fieldcode vor allem in unzureichender Datenqualität und überzogenen Erwartungen. Predictive Maintenance sei kein isoliertes IT-Projekt, sondern ein operatives Transformationsvorhaben.
Voraussetzung für den Erfolg sind strukturierte Asset-Daten, klar definierte Serviceprozesse und organisatorische Bereitschaft. Datensilos und Widerstände gegen neue Arbeitsweisen gelten als häufigste Bremsklötze. Langfristig erwartet Fieldcode, dass solche Modelle zum Standard werden. Wettbewerbsvorteile entstehen dann vor allem durch Automatisierungstiefe, Datenqualität und Skalierbarkeit.
Zentrale Steuerung von Assets und Ersatzteilen: Die Fieldcode-Plattform verknüpft Service-Tickets, Asset-Daten, Ersatzteilstatus und Analytics in einer Oberfläche und schafft so Transparenz, Planbarkeit und Effizienz entlang der gesamten Instandhaltungs- und Servicekette. Bild: Fieldcode
Digitale Service-Plattformen als Produktivitätsmotor
Bosch Rexroth adressiert den Service-Wandel mit einem umfassenden digitalen Ökosystem. Der Hydraulic Hub bündelt Servicewissen, digitale Tools und KI-basierte Assistenzfunktionen in einer webbasierten All-in-one-Plattform. Ziel ist eine höhere Maschinenverfügbarkeit bei gleichzeitig sinkendem Aufwand im Service.
Service- und Instandhaltungsteams erhalten rund um die Uhr Zugriff auf produktbezogene Daten, Diagnosewerkzeuge, Wartungspläne und Lebenszyklusinformationen für rund eine halbe Million Industriehydraulikkomponenten. KI-gestützte Funktionen wie der Smarte Assistent oder die Smarte Diagnose beschleunigen Fehleridentifikation und Lösungsfindung erheblich.
Der Hydraulic Hub unterstützt nicht nur reaktive Instandhaltung, sondern auch proaktive Wartung durch strukturierte Checklisten und Wartungspläne. Damit wird digitales Servicewissen unabhängig von individueller Erfahrung verfügbar und schafft die Grundlage für skalierbare Lifetime-Support-Modelle – vom Neueinsteiger bis zum erfahrenen Hydrauliker.
Service- und Wartungspersonal kann 24/7 auf das digitale Lösungsangebot des Hydraulic Hub zugreifen. Bild: Bosch Rexroth AG
Neue Geschäftsmodelle im Service: Vom Cost Center zum Profit-Motor
Studien zeigen eindrucksvoll, warum Predictive Maintenance und Lifetime-Support an Bedeutung gewinnen. Ungeplante Stillstände verursachen bei den weltweit größten Unternehmen Verluste in Billionenhöhe und verschlingen rund elf Prozent des Umsatzes. Gleichzeitig berichten reale Predictive-Maintenance-Deployments von halbierten Stillständen, deutlich geringeren Wartungskosten und extrem kurzen Amortisationszeiten.
Service entwickelt sich damit vom Kostenblock zum Wachstumstreiber. Fast alle Industrieunternehmen sehen den Einfluss neuer Service-Modelle, doch nur ein Viertel hat sie vollständig verankert. Besonders anspruchsvoll bleibt die Skalierung, da Skill-Gaps, Organisationsfragen und Vertragsmodelle neue Anforderungen stellen.
Langfristig verschiebt sich die Wertschöpfung im Maschinenbau weg von Hardware-Margen hin zu Software, Daten und Lifecycle-Services. Lifetime-Support wird dabei auch zum Baustein von Circularity-Strategien, indem Lebensdauerverlängerung, Retrofits und Upgrades wirtschaftlich attraktiv werden. Predictive Maintenance und Lifetime-Support sind damit weniger Technologieprojekte als strategische Entscheidungen über zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.